Definition von Sehbehinderung und Blindheit nach deutschem Recht
Ein Mensch ist sehbehindert, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 30 % von dem sieht, was ein Mensch mit „normalem" Sehvermögen erkennt (Sehvermögen ≤ 30 %). Ein Mensch ist hochgradig sehbehindert, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 5 % von dem sieht, was ein Mensch mit „normalem" Sehvermögen erkennt (Sehvermögen ≤ 5 %). Ein Mensch ist blind, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 2 % von dem sieht, was ein Mensch mit „normalem" Sehvermögen erkennt (Sehvermögen ≤ 2 %).
Ein Sehvermögen von 5 % kann bedeuten, dass ein Mensch einen Gegenstand erst aus 5 m Entfernung erkennt, den ein normal sehender Mensch bereits aus 100 m Abstand erkennt. Ein Sehvermögen von 5 % kann aber auch bedeuten, dass ein Mensch (wie durch einen Tunnel) nur 5 % des normalen Gesichtsfeldes sieht.
Quelle und weitere Informationen: https://www.dbsv.org/zahlen-fakten.html
Die Ausgangslage
Für viele Menschen, die mit dem Thema Sehbehinderung bislang wenig oder keine Berührung hatten, gibt es „normal sehende" und „blinde" Personen. Dabei gibt es dazwischen viele Graustufen. Die Ursachen, Krankheitsbilder und Symptome sind dabei sehr vielfältig — Symptome treten oft kombiniert auf. Die Herausforderungen für Menschen, deren Wahrnehmung zwischen den beiden Polen liegt, sind weitgehend unbekannt, spielen keine Rolle oder werden unterschätzt. Diese Menschen werden häufig als „sehbehindert" beschrieben.
Für uns, die Erfinder und Entwickler des VIP Simulators, sind sie genau das: VIPs — also Visually Impaired Persons. Michel ist durch eine erblich bedingte Netzhauterkrankung (Retinopathia Pigmentosa) von zunehmendem Sehverlust betroffen. Er war nach Operationen am Auge, die anders als erhofft verliefen, auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage: „Wie siehst du eigentlich?". Diese Frage wird VIPs häufig gestellt — die Antwort ist nicht leicht zu geben.
Der Ansatz des Visually Impaired Person Simulators
Toleranz, Empathie und Verständnis für die Herausforderungen und Bedürfnisse des Gegenübers kann man nicht einfach einfordern oder als selbstverständlich voraussetzen. Ausschließlich Erlebnisse und Begegnungen können auch zu Denkanstößen und letztendlich Verhaltensänderungen führen. Dies ist uns in beruflichen wie privaten Begegnungen immer wieder deutlich geworden.
VR Anwendungen bieten eine hervorragende Möglichkeit für beeindruckende Erlebnisse. In mehreren Umgebungen (Wohnung, Arbeit, Freizeit) können im VIP Simulator unterschiedliche Sehbehinderungen in verschieden starken Ausprägungen — auch mit kombinierten Symptomen — „ausprobiert" werden. Hilfsmittel wie Lupe, Langstock, Smartphone und Monokular ermöglichen eine realitätsnahe Alltagssimulation. Unter anderem wird so gezeigt, dass Behinderung nicht mit Hilflosigkeit und Einschränkung verknüpft sein muss. Vielmehr ermöglichen Hilfsmittel neben einem inklusiven Umfeld VIPs eine Teilhabe am kulturellen, beruflichen und gesellschaftlichen Leben, die letztendlich für reale Begegnungen so wichtig ist.
Wir wollen mit dem Projekt also zweierlei ermöglichen: Die Perspektive eines VIP einzunehmen und eine neue Perspektive für Menschen, die mit VIPs in Kontakt sind.